Kriegsdorf, unser Dorf | Zeitzeugenberichte
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Allgemeines über die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen 1914-1918 und 1939-1945, sowie der Flucht eines großteils der Deutschen aus Hadad/Kriegsdorf im Herbst des Jahres 1944

Hadad / Hodod / Kriegsdorf

 


Ein Dorf im Nordwesten Siebenbürgens

Ein Bericht (in mehreren Teilen), geschrieben von Erich Hotz (Fassung November 2006), für die Homepage Hadad / Kriegsdorf
(Vorwärts, Landsleute, wir müssen zurück!)


Nachdem der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) für das Kaiserreich Österreich-Ungarn verloren gegangen war, Österreich-Ungarn durch die „Siegermächte“ (Frankreich, Großbritannien und die USA, aber auch, und für Hadad bedeutend, Rumänien) in seine „nationalen“ Bestandteile zerlegt worden war, fand sich Hadad/Kriegsdorf (mit Siebenbürgen) plötzlich nicht mehr im ungarischen (Verlierer-)Teil der Habsburg-Monarchie wieder, sondern es wurde Rumänien zugeschlagen. Und es waren dann nicht mehr die Ungarn mit ihren Bemühungen, alles in ihrem Gebiet ungarisch zu machen, maßgeblich, sondern die Rumänien, die die Deutschen drangsalierten und die in den Pariser Vorortverträgen zugesagten Minderheitenrechte für die anderen in Rumänien befindlichen Völkerschaften, Ungarn, Deutsche, auch Slawen, Juden und andere, mehr als schleppend, wenn überhaupt, gewährten.

 

Dennoch, es war für Hadad/Kriegsdorf eine relativ ruhige Zeit, wenn auch mit großen wirtschaftlichen Nöten, übrigens wie auf der ganzen Welt.

 

Hadad/Kriegsdorf konnte seine landwirtschaftlichen Produkte nicht mehr in den ungarischen Raum absetzen und viele der jungen Männer, aber auch ganze Familien, mußten hinaus in die Welt, um Geld zu verdienen und so die Familien zu Hause über Wasser zu halten. So auch zum Beispiel mein Vater, der einige Sommer in Süd- und Ostdeutschland als Landarbeiter arbeiten und Geld verdienen mußte. Andere gingen in die USA und vor allem nach Canada, wo dann auch einige seßhaft wurden und in und um Harrow, Ontario sich eine neue Existenz schufen.

 

Auf die engeren Vorgänge in Hadad/Kriegsdorf während diesen Jahren 1914 bis 1945, zum Beispiel erstmals ein „deutscher Bürgermeister in Hadad/Kriegsdorf“,  komme ich in einem anderen Kapitel zurück. Da habe ich viel Material noch brach liegen!

 

Aber, wo wirtschaftliche Not, Neid und Mißgunst vorherrschen, da sind Scharlatane und Volksaufwiegler schnell zur Hand, nichts anderes im Sinne, als sich selbst zu bereichern, Macht auszuüben und Andere zu unterdrücken.

 

Es waren kaum 15 Jahre nach Kriegsende vergangen, da kam in Deutschland der nächste und noch ärgere „Wahnsinnige“ mit seinen Nazi-Anhängern und Mitläufern an die Macht und er war noch viel schlimmer, als die deutschen Militaristen des Kaiserreiches es je waren.

 

Kaum 20 Jahre nachher wurden der Reihe nach Österreich, dann das Sudentenland und das übrige Tschechien und schließlich Polen überfallen und als Staaten vorerst ausgelöscht.

 

Kaum 20 Jahre nach den Greuel des Ersten Weltkrieges, als alle glaubten, so etwas Schlimmes wie dieser Krieg kann nie wieder kommen, kam Hitler und seine Verbrecher und zeigte allen, dass eine Steigerung immer möglich sei. Er blendete mit seiner Demagogie ganze Völker und stürzte nicht nur Europa sondern fast die ganze Welt ins Verderben und in einen Zweiten Weltkrieg mit rund 50 Millionen Todesopfern.

 

Man braucht sich nicht zu wundern, wenn, nachdem 1944/45 das Deutsche Heer überall besiegt war, unsere Landsleute in Ungarn, Jugoslawien und Rumänien verfolgt, gejagt und oft, zu oft, auch getötet wurden. Wenn Gewalt gesät wird, kann nur noch mehr Gewalt zu ernten sein!

 

Ungarn, das bereits in den 30-er Jahren zu einem engen Verbündeten des Hitler-Deutschlands geworden war, trachtete danach, die ehemals ungarischen Gebiete wieder zu bekommen und stiftete Unruhe in diesen Gebieten. Zumindest Siebenbürgen, das ja über Jahrhunderte zu Ungarn gehörte und im Norden überwiegend ungarisch besiedelt war, sollte nach dem Willen Ungarns wieder in seinen Staatsverband zurückgeholt werden. Um die ständigen Streitigkeiten zwischen Rumänien, das sich aber auch an Deutschland angelehnt hatte, und Ungarn zu beenden, sprach Hitler im Wiener Schiedsspruch 1940 ein Machtwort und schlug zumindest Nordsiebenbürgen, und damit auch unser Dorf Hadad/Kriegsdorf, wieder dem ungarischen Staat zu.

 

Für sehr viele der wehrfähigen Männer, so auch für meinen Vater, bedeutete es, dass sie vom rumänischen Militär zu den Ungarn überwechseln mußten. In weiterer Folge wurden sie dann, nur kurze Zeit später, auch noch zur deutschen Waffen-SS zwangsweise überstellt und durften somit, unfreiwillig, in drei nationalen Heeren dienen und so über viele Jahre das ach so schöne Soldatenleben über sich ergehen lassen.

 

Zur Waffen-SS: Seit September 1939, mit dem Überfall Deutschlands in Polen, tobte der Zweite Weltkrieg, wobei die deutsche Wehrmacht die, unvorbereiteten, Heere Frankreichs, Englands und Rußlands (mit der Sowjetunion gab es sogar einen „Nichtangriffspakt“) anfangs überrannten und sehr bald fast ganz Europa besetzt hatten. Etwa ab 1941 war für die Nazis klar, dass sie auch die letzten Reserven an wehrfähigen Männern brauchen würden. Also griffen sie auch auf die „Volksdeutschen“ im südosteuropäischen Raum zurück. Sie zwangen die Staaten, Ungarn, Rumänien und die „südslawischen“ Staaten, dass sie die Deutschstämmigen in diesen Staaten in SS-Einheiten (z.B. SS-Division „Prinz Eugen“) einziehen konnten und durften. Dies, obwohl diese jungen Männer keine deutschen Staatsbürger waren. In einer Art „freiwilligen Zwang“ konnten diese jungen Männer gar nicht anders, als sich den Nazis zur Verfügung zu stellen.

 

Insbesondere ab dem Jahr 1943 war dann klar, dass dieser wahnsinnige Krieg für das deutsche Volk und für seine verblendete Führung verloren war, dennoch wurde „bis zum bitteren Ende“ und „bis zum letzten Blutstropfen“ gekämpft, Adolf Hitler und seine Verbrecher wollten es so.

 

Im Spätsommer 1944 kam schließlich die Ostfront immer näher an Siebenbürgen heran und die deutsche Wehrmacht begann, insbesondere die deutsche Bevölkerung aus Nordsiebenbürgen „umzuquartieren“, das heißt, nach rückwärts zu verlegen, „bis die Front wieder nach Osten verlegt wird, die Russen wieder zurückgeschlagen werden und die Heimat wieder frei ist“!

 

Am 14 Oktober 1944 (anderen Aussagen nach war es der 10. Oktober) war es dann so weit, deutsche Wehrmachtsangehörige fuhren durchs Dorf und forderten alle „Zurückgebliebenen“ im Ort, Frauen, Kinder und alte Männer, auf, binnen einiger Stunden das Notwendigste auf Fuhrwerken zusammen zu packen, und nach Westen zu fahren, „sie würden in ein paar Tagen wieder zurück kehren können“! Kaum jemand aus der (kaum informierten und teilweise auch verblendeten) Bevölkerung hatte daran Zweifel, wenn auch alle voller Angst und Schrecken waren.

 

Aber weitaus nicht alle Kriegsdorfer im Ort wollten diesen Befehl akzeptieren und sich danach richten. Schließlich hatten sie auch das Ende des Ersten Weltkrieges überstanden und es wäre damals auch alles, na ja, zu ertragen gewesen!

 

Und so nahmen etwa 200 Kriegsdorfer Abschied vom Haus und Hof, von der Kirche, von den Feldern und Wiesen, und kaum jemand war klar, dass die meisten von ihnen Kriegsdorf nie mehr wiedersehen würden. Vieles wurde im Haus und Hof zurück gelassen, man hoffte ja, binnen kurzer Zeit wieder ins Haus zurückkehren zu können.

 

Die meisten der Landsleute fuhren mit eigenen Fuhrwerken oder bei Verwandten ab.

 

Ein Kriegsdorfer, Michael Herold, hat im Jahre 1954 im Flüchtlingslager in Linz, Oberösterreich einen Bericht über diese Flucht im Oktober 1944 verfaßt, den ich hier wiedergeben möchte. Wobei ich ausdrücklich mich bemühen will, alle grammatikalischen und sonstigen Fehler im Bericht zu belassen. Damit soll dieser Bericht authentisch sein und bleiben und eine Korrektur wäre, so sehe ich das, ein großer Fehler. Ich bitte seine Nachkommen um Verständnis dafür.

 

Ich habe große Hochachtung vor diesem Manne, und sehe ihn so vor mir, wie er im Hadader Hochdeutsch, langsam, bedächtig, die Worte suchend, Endlos-Sätze produzierend, seinen Bericht fertigt und auf Wahrheit bedacht ist und nicht auf richtige Sätze oder richtige Rechtschreibung.

 

Übrigens habe ich versucht, die ungarische Fluchtroute anhand einer guten Straßenkarte nachzuvollziehen, habe es aber nicht bzw. nur teilweise geschafft.

 

Von den Flüchtlingen aus Hadad, Rumänien

Von Michael Herold


Es war ein fruchtbares gutes Jahr 1944, es war von alles so fiel, wie selten war aus Getreide, die Weingärten waren so schön, die Mais-Ernte war schon fertig und die Weinlese ar vor der Tür, als am 9. Oktober Abend kam die Nachricht, das wir sollten uns fertig machen den Morgen früh müssen wir flüchten.

 

Dieser Nachricht kam von den Kreisleitung befohlen worden, weil später wäre der Weg von die Feinden abgesperrt worden.

 

Das war ein Schreken und Jamer die ganze Nacht durch war keine Ruhe mehr, die Männer fingen an Schweine abstechen biz in der Früh fertig zu machen, die Frauen haben sich geeilt Brotbacken und alles zusammen zu paken was wir mitnehmen konnten. Der Wagen war schon halbwegs fertig gestelt schon forhinn, den es war schon früher darüber geflüstert, das es wird komen das auch wir flüchten müssen, den die Feinde näherten sich immer herann, die aus der Bistrizer gegend waren schon bei uns vorüber geflüchtet.

 

Was war dann Morgen, in jede Gasse, Türe und Tore standen die Männer und studierten was solen sie machen, wie sol das geschehen, einer hat auf andere gewartet, bis endlich so gegen 10 Uhr begannen die Wägen von einer Gasse und die andere herausfahren. Fahren in die Große Gasse und si sammelten sich oben am Marktplatz, so das bis Nachmittag immer fuhren noch Wägen zu Sammelstelle.

 

Es hat schon hier zuhause das Elend begonnen, den die Wege waren schlecht, und es war eine Plage von unten mit beladenen Wagen hinauf zufahren auf die Landstraße.

 

Um nachmittag um 5 Uhr haben wir uns zur Abfahrt entschlossen, auch die Landstraße war ja so schlecht, das wir konnten bis speten Abend 20 Kilometer Strecke fahren bis Alsasopor.

 

Dort übernachteten wir auf den Marktplatz, am Wagen war es so kalt, schlafen konnten wir nicht, die ganze Nacht durch habenwir nur herumgezitert.

 

Am Morgen fuhren wir langsam weiter, langsam kamen wir forwärtz, wegen die große Drängerei auf die Landstraße, den die Millitärwägen fuhren auch hinn und her, und nochdabei waren andere auch mit Ochsen und Kühen gefahren und wir fuhren nur so langsam das die auch mit kommen könnten.

 

An den Tag sind wir bis Tasnad gefahren, dort wurden wir dan im Quartit verteilt. Unser Treksführer war unser Lehrer Ludwig Winkler, er ist ein geschikter Mensch, er ist gebürtig in Bildag,  jetzt lebt er im Deutschland. Der hat für uns überal die Sorge getragen, wir waren ziemlich großer Transport. Wir haben unser Lehrer immer gebeten, er soll uns nicht verlassen, es ist genug, dass uns unser Fahrrer (Pfarrer Adalbert Aikelin, er zog es vor, sich selbst nach Deutschland abzusetzen und seine Gemeinde im Stich zu lassen) verlassen hat. Er hat uns noch zuhause verlassen, er ist um etliche Tage früher geflüchtet.

 

Aus Tasnad sind wir dann weiter gefahren über großKaroly (Carei) bis nach Csanalos, dort haben wir übernachtet, und am anderntag haben wir somanches Ferpflegung gefast, dann sind wir bis nach Walaj gefahren, wo wir unsere Milchkühe, die wir etliche die Wägen angebunden mitnahmen abgegeben, der Wermacht übergeben, mit dem Versprechen, das wir sie bezahlt bekommen.

 

Von Walaj sind wir über Hajdu-Dorog bis Hajdunänas gefahren, wo die Nachricht kamm, das das Ungarische Heer unter der Regierung Niklos Horty hat kapituliert, was uns große Sorgen machte.

 

Die Leute von Hajdunänas wollten uns abreden, das wir sollen nicht weiter fahren, den es is alles aus, wir sollen da bleiben, si werden uns Quartir geben solange bis ales ableuft und den sollen wir zurück kehren in unsere Heimat.

 

Wir wären fast eingegangen disen Rat zu folgen, aber unser Treksführer un die begleitung die Soldaten die waren dagegen, sie waren nur daran weiter zu fahren, wir sollten uns nicht zureden lassen von die Leute, aber kurz darauf kamm die Nachricht, das das Hunyadi Partei hat die Regierung übernommen und den anderen Morgen weiter gefahren bis zu Teissbrücke bei Polgar.

 

Vor der Teissbrücke haben wir Rast gehalten, da haben wir noch etwa 10 Wagen von unsere Nachzügler eingeholt, wir sind dann zusammen weiter gefahren über die Teissbrücke und immer südlich über Mezöcsat, Tissafüred.

 

In Tissafüred, nach acht  Tage nach unser abfahrt von zu Hause, haben wir einen Rast gehalten (?) Tage, da haben unsere Frauen gewaschen und etliche haben auch Brot gebacken aus dem Mehl war wir von zu Hause mitnahmen.

 

Von da sind wir über Jaszapati weiter gefahren bis Jasperei ( = Jaszbereny). Auf der Strecke haben unsere Leute die mit Ochsen und Kühe fuhren viele vertauscht die Ochsen und Kühe mit Pferd bei die Leute, sie haben 2 schöne Ochsen oder Kühe mit ein Pferd oder 2 Ausschuss Pferde, so gute Jahrmarkt haben wir gemacht (!?), das alles um das wir weiter fahren können.

 

Wie wir dan nach ein paar Tage nach (? – unleserlich, muss unweit von Budapest gewesen sein) angekommen sind, dort wurden wir in einen Kassernenhof hineingedrückt, wo hunderte von Wagen, die alle geflüchtet sind, drinnen waren. Da blieben wir wieder (?) Tage lang. Dort haben wir wieder Verpflegung gefast, da haben unsere Frauen auch gekocht draußen bei offenen Feuer, zum zweiten mal haben wir Gekochtes gegessen die ganze Strecke von zu Hause weg. Unsere Frauen und Kinder haben in die Kasserne geschlafen am Boden auf Säcke, wo schon Tausende vorher drinen geschlafen, wo das Stro schon fast nur staub war. Da haben wir die beschläge an unsere Pferde wieder gut hergerichtet und die Wagen in Ordnung gebracht.

 

Von dort sind wir in Richtung Budapest weitrer gefahren, in Budapest sind wir durch gefahren und in Budaörs übernachtet und am nächsten Tag haben wir wieder Verpflegung bekommen.

 

Unsere Leute, die noch Oschsen hatten und schwache Pferde, die haben alles abgegeben, Vieh und Wagen und sie  sind einwagoniert worden und mit dem Zug weiter gefahren bis nach Österreich hinein in Straßwalchen bei Salzburg ins Lager.

 

Wir mit die Treks sind noch in denselben Tag weiter gefahren in den nächsten unbekannten Ortschaft übernachtet. Diese Nacht war uns eine unruhige Nacht, den auf Budapest und auf den Budaörscher Bahnhof war ein Bombenangriff fast die ganze Nacht hat es gedauert, so hats gekracht und gedonnert, wie wens nur dort gewesen wär auf die Ortschaft. Frauen und Kinder haben in Wohnungen geschlafen, die haben nicht soviel daraus gewusst, aber die Männer draußen an die Wägen bei die Pferde, wir konnten nicht ruhen, wir haben die ganze Nacht nicht schafen.

 

Am anderen Morgen sind wir weiter gefahren gegen Bicske. Inzwischen haben wir wieder in Ortschaft unbekannt eine Pause gehalten 2 Tage, da hat es die 2 Tage immer geregnet, es war so schwierig die Pause auch zu halten, den wir hatten zuletzt kein Futter für die Pferde, wir mussten die Pferde auch draußen auf das Feld zu weiden hinaus führen.

 

Da in diese Ortschaft war auch eine Küche auf gestelt für die Flüchtlinge, es wurde da für uns gekocht und haben auch Lebensmittel gefast für weitere Tage.

 

Nach 2 Tagen sind wir dan weiter gefahren, wir haben schlechte Wege auch gehabt mit diesen Regenwetter, den wir müsten auf Wizinal (?) Wege und Feldwege auch fahren wegen das Millitär ferker (Verkehr) nicht zu hindern.

 

Wir sind gefahren über Bicske, Tatabanya, Kisber.  In Kisber wurde wieder eine Pause gehalten, einen Tag  gerastet, da haben wir wieder die Beschläge an unsere Pferde in Ordnung gestelt und die Wagen in Ordnung gebracht.

 

Da ist  von uns eine junge Frau zurückgeblieben, wegen entbindung, sie hat uns dann später in Österreich aufgefunden.

 

Von Kisber fuhren wir dann weiter über Tarkanyi in Richtung Györ. In Györ sind wir gerade zu einen Mittagszeit angekommen und wie wir an einen Platz die Mittag Pause halten wollten und essen, da war auch eine Küche für die Flüchtlinge aufgestellt und bevor wir essen angefangen haben, ist Flieger Alarm gewesen, wir mussten sofort einspanen und im Trab hainaus fahren, wir musten Györ verlassen.

 

Da ist auch ein Mann zurückgeblieben, er war so krank, er muste im Krankenhaus, wo er dann kurz darauf starb.

 

Aus Györ sind wir dann vielleicht  2 Kilometer weit gefahren und haben dann dort das Mittagessen und eine kurze Pause halten. Von dort sind wir dan weiter gefahren in Richtung Csorna, Kapuvar und Soprony.

 

Auf der Streke haben wir in unbekante Ortschaften, als wir dann nach Soprony, waren unsere begleiter (Soldaten) schon nicht bei uns, sie wurden abkomandirt, da sind wir auf uns verlassen worden. Die begleiter waren sehr gut, den wir wurden am Weg nicht überal so lieb aufgenomen. Es waren Leute, wo wir mit gewalt ins Hof hineindringen musten und ohne die Soldaten wären schwirigkeiten an uns gekommen, und um Futter haben die sich mehr gekümert, ohne ihnen häten wir nicht einmal um geld bekommen, aber mit ihnen sind wir in grösere Gutshöfe hineingegangen und wie die Gutsverwalter die Soldaten sahen, natürlich sie waren SS-Soldaten, dann gleich haben sie sich eingewilligt und Futer ein jeden ein Bund heu gegeben. Es haben auch unsere Pferde an die ganze Streke in Ungarn nicht gehungert, so fiel wie von der Grenze die kurze Streke. Da haben wir Futer von die Flüchtlingsorganisation und von der Wehrmacht, aber das war so knapp.

 

Bei Soprony, wie wir die Grenze übertraten, ein tiefer Harm hat unsere Herzen gedrückt, den wir hörten sagen, wen man die Grenze über tritt, da kommt man nicht mehr zurück, und diese Sage ist war geworden bis auf heutigen Tag.

 

Von der Grenze sind wir noch einige Kilometer gefahren, da haben wir in einen Ortschaft übernachtet, wo unsere Pferde nur mit Stro gefütert wurden.

 

Den anderen Tag sind wir weiter gefahren im Richtung St. Pölten. Inzwischen haben wir noch in einen Ortschaft, wo wir Quartir in ein Gutshoff, wo wir dan Futer für die Pferde bekamen. In einen grosen Stall wurden die Pferde eingestellt, wo so fil Pferde noch neben einander gebunden waren, es waren Hunderte, so das sie eine von die andere keine ruhe hatten. Sie haben sich geschlagen und gebissen die ganze Nacht musten wir wache stehen, das nicht etwas pasirt, wir dachten es wird nie Tag werden, es war schon kalt drausen.

 

Zum glük in St. Pölten, wo wir hinkamen, da wurde schon mehr ordnung gemacht, die Kinder und Frauen und alte Leute wurden in einen grossen Gebäude unter gebracht. Sie wurden gebaded und gut zu essen bekommen. Für die Pferde haben wir auch Futer, heu und ein wenig Hafer bekommen.

 

Die Kinder und Frauen und alte Leute sind hier zurückgehalten, sie wurden am anderen Tag einwagonirt und dann mit dem Zug weiter gefahren. Sie wurden nach Türingen gekommen die erste Transport, und die zweite Transport blib in Österreich in Münzkirchen im Lager gestekt.

 

Wir sind dann mit die Wägen bis Enns gefahren, dort haben wir den wieder ferpflegung gefast, auch Futer für die Pferde, dort blieben wir wider ein Tag, dann sind wir über Linz gefahren und in Efferding übernachtet.

 

Von dort am andern Tag sind wir bis Peuerbach, da haben wir wieder gerastet und dann noch in einen Ortschaft haben wir übernachtet.

 

Da in Österreich haben wir schon Kürzere Streken gemacht an einen Tag, den unsere Pferde waren schon abgeschwächt, es sind schon welche am Wege geblieben, umgefallen, und noch welche so ausgeschaft, das sie nicht mehr weiter konnten.

 

Als wir dann in EGGERDING im Kreis Schärding angekommen, dort sind wir dann geblieben. Von dort sind wir dann noch eine Woche ein par Wägen abhollen gefahren, die am Wege blieben.

 

Da in Eggerding wurden wir verteilt zu den Bauern Familienweise. Die Bauern natürlich haben andere Flüchtlinge auch gehabt. Bei den Bauern haben wir uns gut benommen, wir haben gearbeitet, das wir dem Bauern ja nicht so schwer fallen.

 

Den ersten Sonntag nach dem wir versorgt waren, haben wir schon Gottesdienst gehalten, um Gott zu danken, um seine Güte, das er uns bewart hat vor alles unglück und geholfen hat.

 

Am Wege ist uns nichts pasirt, es hat uns kein Bomben oder Fliegerangriff nirgens getroffen, zwar wir hätten es uns gewünscht manchmal, so verbittert waren wir.

 

Die Gottesdienste haben wir am einen Sonntag bei einem, den anderen Sonntag bei dem andern gehalten, unser lieber Lehrer Ludwig Winkler hat uns auch dann nicht verlassen, er hat mit uns Gottesdienst gehalten, obwohl er Katholis war, nach Evangelischer Art.

 

Wir sind da schon alle zimlich versorgt gewesen, aber unsere Frauen und Kinder waren nicht da, wir wusten nicht, wo sie sind. Unser Lehrer hat sich eingesetzt, um unsere Familien zu suchen, er ist herum gefahren und hat überall gesucht, in Schärding beim Kreisleitung hat er sich gekundigt, im Linz beim Volksdeutsche mittelstelle, am Bahnhof in Linz, nirgens hat jemand von ihnen gewust, wo sie sind. Die die mit den zweiten Transport von St, Pölten abgefahren wurden, die haben wir schon nach einer Woche gefunden in Münzkirchen in Oberösterreich, aber die mit den ersten Transport sind gefahren, haben wir nach langen suchen nach fünf Wochen erfahren wo sie sind durch einen Jungen, der bei den Waffen-SS war, der hat brief wechsel gehabt mit seine Mutter in Türingen und mit sein Vater in Eggerding, der hat seinem Vater geschrieben, das seine Mutter, also unsere Leute in Türingen sind. Und unser Lehrer hat noch einen Mann zu sich genommen und sind hingefahren und hat sie abgeholt, dann waren wir schon fast zusammen. Nur die in Budaörsch einwagonirt wurden, die waren bei Salzburg in Straßwalchen im Lager und vier Familien, die mit einem Wehrmachtsauto gefahren sind, die waren in Reinhartsgrima bei Dresden in Sachsen, nach den zusamenbruch auch zu uns in Eggerding gekommen.

 

Die anderen von Straßwalchen, die sind noch vor den zusamenbruch nach Deutschland gezogen in Württemberg, wo heute noch 4 oder 5 Familien da sesshaft bleiben. Die anderen zirka 60 Personen haben dort in Württemberg zu den Ungarischen (Rück)Transport angeschlossen und sind nach Hause gefahren nach Hadad, Rumänien.

 

Wir blieben in Eggerding biseinmal im Juli 1945 komt eine verordnung von den Amerikanischen Millitärregierung auf die Gemeinde Vertretung, das alle die Südost Leute sollen sich versammeln, am anderen Morgen, das war der 3. Juli, sie werden nach Linz transportiert im Lager, das sie nachhause fahren. Aber war entweder ein Missverständnis, gleich sind Leute herum geschikt wordne zu alle Flüchtlinge, das sie solen sich sofort zusamen paken und sie sollen sich in die Gemeinde sammeln, ohne ausnahme, ob von Rumänien oder Ungarn, Jugoslawien.

 

Wir haben uns dan zusammen gepakt und samt gepäk haben wir uns in den gemeinde gesammelt, da kamen 8 Amerikanische Autos gefahren und da rufen sie aufpaken. Jetzt sind nicht genug Wägen, es sollen aufpaken, wiefil Platz haben und morgen fahren die anderen.

 

Nun sind wir etliche Familien aufgepakt und wie wir aufgepakt waren, - nicht Rumänen, nur Jugoslawen sollen oben sein. Dan wollten wir herunter, aber wir konnten nicht mehr absteigen, den die Autos haben sich schon in bewegung gestelt, wir sind dann gegen unsern willen in Linz in Lager gekommen. Dann erst wurde es klar geworden, das nur Blut-Jugoslawen-Serben hätten solen fahren, so war es von den Amerikaner gemeint. Aber die Gemeinde hat wollen schon von die Flüchtlinge los werden.

 

Nun kommen wir an im Linz in die Jugoslawische Lager, da haben sie uns nicht aufgenommen, wir gehören zu Ungarn, den wir sind von dort gekommen.

 

Dann haben sie uns in eine Ungarische Lager geführt, dort haben sie uns nicht aufgenommen, wir gehören zum Rumänien, den Nordsiebenbürgen gehört wieder zum Rumänien.

 

Dann wir sind herum gerannt, wir haben einen Rumänischen Lager gesucht, wir selbst sind herumgegangen, den wir musten, wir haben in den Ungarischen Lager überhaupt nicht zu essen bekommen.

 

Wir wurden von die Amerikaner nur hingeführt und noch weit von dem Lager, neben einer Eisenbahnbrüke abgeladen. Sie haben sich nicht gekümmert um uns, sie sind davon.

 

Dann musten wir unser sachen am Pukel schlepen, bis zum Lager, so zirka ein kilometer weit. Da waren wir schon drei Tage ohne verpflegung, zum glük haben wir etwas noch gehabt, wo wir noch vom Bauer bekomen, wie wir von ihnen wegkomen.

 

Mit schwerer mühe haben wir den Rumänischen Lager gefunden und nach drei Tagen wurden wir hineingeführt von die Amerikaner im Lager was heute Lager 63 ist. Da wurden wir aufgenommen und dann auch gleich verpflegt da im Lager. Das war am 8.ten Juli 1945.

 

Im Jahre 1946 haben unsere Letue angefangen, ins Lager zu kommen, die noch bei die Bauern blieben, so das im Jahre 1947 Frühjahr restlos alle im Lager 63 und in Kleinmünschen aufgenommen wurden, wo wir auch heute noch befinden, 10 Famlien im Lager 63, 4 Familien im Kleinmünchen und 4 Familien haben Häuser gebaut in einem Siedlung bei Traun, Oberösterreich. In Wien sind 8 Familien noch, die sind aus dem Lager 63 hingekommen, die wollten nach Hause in Rumänien fahren, aber da sind sie steken geblieben. Viele Familien sind dann nach Canada und Amerika ausgewandert.

 

Das alles ist nur so kurz beschrieben, den wen wir alles beschreiben möchten, was wir noch viel alles mitmachten, wär eine lange, lange geschichte und seit 10 Jahren haben wir auch schon vieles vergessen, was alles geschah und wo auf die lange Streke.

 

Unser Flucht hat 36 Tage gedauert von 10. Oktober bis 16. November 1944.

 

In Lager 63, Linz, Bindermichl, sind folgende Familien:

  • Edler Andreas; *Hotz Andreas takacs; *Herold Michael; *Löscher Georg F.; *Löscher Franz F.; * Reinbold Andreas B.; * Reinbold Michael K. senior und junior; *Witwe Sinn Katharina; *Bodoni Maria; *Witwe Branner Katharina; *Witwe Reinbold Maria.

In Kleinmünchen, Spinnereistraße 10 sind folgende Familien:

  • Hotz Andreas T; *Branner Franz senior und junior; *Branner Georg; *Witwe Löscher Elisabeth Kis.

In Siedlung Brandmayr bei Traun (heute Traun-Oedt) sind folgende Familien:

  • Löscher Georg O. senior und junior; * Löscher Michael O;  *Pretli Andreas P; *Sas Johann.

In Wien-Simmering, Heidestraße 2, Lager, sind folgende Familien:

  • Krumbacher Andreas; *Löscher Michael M.; *Pretli Michael P.; *Reinbold Jakob; *Sinn Michael; *Weniger Franz; *Witwe Majer Elisabeth; *Witwe Weniger Katharina und Weniger Maria.

In Canada sind folgende Familien:

  • Herold Franz, Harrow; *Henkel Georg, Harrow; *Löscher Andreas, Harrow; *Hotz Andreas K.; *Löscher Michael K., Ottawa; *Pretli Georg P., Ottawa; *Löscher Georg M., Harrow; *Weniger Michael G., Harrow; *Hotz Franz H.; *Hotz Michael H., Harrow; *Pretli Michael G., Harrow; *Hotz Andreas H., senior; *Sinn Michael G., senior; *Weniger Jakob; *Pretli Johann H.; *Pretli Jakob D; *Pretli Andreas P; *Weniger Andreas M, senior und junior; *Sinn Georg G., Harrow; *Herold Jakob, Windsor; *Pretli Jakob H;* Pretli Michael G., Harrow; *Hotz Andreas H., junior; *Weniger Georg G., Harrow; *Reinbold Georg (sin.); *Hotz Franz H., junior; *Pretli Georg G.; *Pretli Michael H., Kingsville; *Witwe Krumbacher Anna; *Sinn Michael G., junior; *Reinbold Michael, Harrow; *Pretli Franz H; *Pretli Georg H.; Alleinstehende, deren Familie in Hadad zu Hause sind: *Hotz Georg H; *Hotz Jakob H; *Edler Andreas; *Weniger Michael M; *Edler Michael; *Sinn Andreas G; *Reinbold Jakob M; *Löscher Johann M., *Löscher Georg A; *Pretli Andreas H.

In Amerika (Vereinigte Staaten) sind folgende Familie:

  • Reinbold Georg K, Michigan; *Reinbold Johann K.; *Wentz Georg, Detroit; *Branner Johann, Ohio.

In Württemberg sind folgende Familien:

  • Pretli Franz H.; *Wentz Michael, Giengen/Brenz; *Siegel Jakob; *Schartner Johann Balingen; *Tschente Georg; *Tschente Andreas; *Krumbacher Kristian; Weniger Franz F.; *Witwe Weniger Magdalena, Göppingen; *Weniger Georg F., Göppingen; *Schartner Jakob; *Hotz Franz K; *Hotz Georg K; *Pretli Michael H, Herbrechtingen; *Hotz Andreas H; *Siegel Franz; *Siegel Johann F; Sinn Franz H.

 

 

Michael Herold, Linz, Lager 63, im Jahre 1954.


Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 19. März 2010 um 21:35 Uhr